Geschichte, Handwerk u. Kultur 136 ausgewählte Mostschänken Mostschädel-Wörterbuch
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  Vorwort der Herausgeber
mit „Mostreichhymne“
  Auf den Spuren der Mostschädel
  8000 Jahre Obstbaugeschichte
  Oö. Mostkulturgeschichte
  Alte oö. Mostobstsorten
  Mostmachen damals & heute
  Europas Obstweinkultur
  Anleitung für Feinschmecker
  Epilog der Autoren
 
 
 

Andere Länder, anderer Obstwein.
Oberösterreich & der Rest der Welt.

von Henning Schimmel

„Apfelwein wird im Südhessischen Äbbelwoi oder Ebbelwei genannt. Im Raum Frankfurt am Main ist er das Nationalgetränk. An der Mosel und Saar trägt er den Namen Viez, welcher aus römischer Zeit (lat. Vice: der zweite) stammt und andeutet, dass dieser Apfelwein als Ersatz für echten Wein getrunken wurde. In Baden-Württemberg und der Schweiz ist die übliche Bezeichnung wie bei uns Most. Diese alemannischen Mostgegenden hießen übrigens einst Vorderösterreich. Baden-Württemberger Most erhält seinen urtypischen Geschmack durch einen der ältesten Ureinwohner unserer Wälder, den Holzapfel. Die Hessen wiederum wissen heute noch den Speyerling, der weder Apfel noch Birne ist, zur rauchigen Obstweinspezialität zu keltern

Die anderen Mostschädeln
Varianten des Apfelweins erfreuen sich besonders in Frankreich (Cidre), Großbri-tannien, Irland und deshalb natürlich auch in den USA (Cider), in Spanien (Sidra), Slowenien (Jablocnik) und Finnland (Siideri) großer Beliebtheit. Die Spitzenreiter des Pro-Kopf-Verbrauchs in Sachen „EU-Säure" (Liter pro Einwohner und Jahr): Die Iren führen (20,3), gefolgt von Finnland (11,2), Großbritannien (8,6) und Schweden (2,3). Frankreich, Spanien und Deutschland folgen mit 1,5 Liter pro Kopf. (Also: Wir haben Nachholbedarf!)

Der Kult der Kelten
Es ist schlichtweg höchst auffällig, dass dort, wohin die alten Kelten in Reinkultur verdrängt wurden, heute ein wahrer Kult um den Apfelwein herrscht: an den atlantischen Küsten, in Irland, Cornwall, Wales, in der Bretagne und Normandie, in Asturias in Nordspanien, aber auch im heute slowenischen Land der vorkeltischen Illyrer. Und „The Ciderhouse Rules”, Bestseller von John Irving („Gottes Werk und Teufels Beitrag”) spielt im „britischsten Teil” der US-Ostküste, wo Obstkultur seit 300 Jahren die Landschaft prägt. Weit gestreute Apfelbaumflächen dominieren auch in der Normandie und der Bretagne, ein „ty sistre" (Cidrehaus) gehört, wie bei uns das Presshaus, zu jedem Anwesen. Anders aber ist die Verarbeitung: Das champagnerartige Moussieren liegt schon im französischen Apfel selbst. Dieser enthält wenig Stickstoff, die Gärung geht daher langsamer vor sich und die fruchteigene Kohlensäure bleibt so im Cidre/Cider. Insgesamt reift das keltische Nationalgetränk mehr als doppelt so lange als Most. Wie bei uns werden aus Cidre Edelbrände destilliert, so der berühmte Calvados (F), Appeljack (GB) oder Aguardiente di Sidre (Spanien).

Produce of Upperaustria
Nicht mitmischen mit den Österreichern können die unbeugsamen Gallier allerdings mit unserer unbeugsamen Liebe zur Mostbirne. Und nur wir „tun sie dem Mostapferl vermählen”! Diese kongeniale Partnerschaft ist EU-weit alleine unser Most. Womit sich Oberösterreichs Mischlingsmoste die Prädikate „Unikat“ und „Besonders wertvoll“ redlich verdienen. Wohl bekomm’s!