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Anleitung für bodenständige Feinschmecker
von Dipl. Ing.
Heimo Strebl, Konsulent der Landwirtschaftskammer Oö
„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“ lautet
die Lebensmaxime der Oberösterreicher. Most und Obstsäfte
haben sich zu kulinarischen Allroundern entwickelt und die
goldenen Getränke sind längst in die „Haute
Cuisine” eingezogen. Möglich macht die Gaumenfreude
eine starke Gruppe von Spitzen-produzenten unter unseren Obstbauern,
die es verstehen, neben erstklassiger Produktion alle Jahre
die Neugierde zu wecken und Genießer zu begeistern mit
Kelterkunst in vielfältigen persönlichen Geschmacksnuancen.
Die inneren Werte
Most und Saft haben unzählige wertvolle
Inhaltsstoffe. Wer flüssiges Obst genießt, tut auch
seiner Gesundheit etwas Gutes. Most und Saft enthalten alle
Vitalstoffe der Früchte, aus denen sie entstanden sind,
vor allem Vitamine (Vitamin C), Mineralstoffe (Kalium) und
Ballaststoffe.
Für verschiedene Geschmäcker
Der milde Most hat wenig
Säure (5 bis 6,5 %o) oder viel
Restzucker (Säurewerte bis 8%o bei
größerem Restzucker als Säurewert). Sein Geheimnis
liegt im kaum spürbaren Gerbstoff.
Der halbmilde Most hat einen
Säuregehalt von 6,5 bis
7,9 %o (Restzuckerwert kleiner oder gleich dem Säurewert).
Auch für ihn gilt: kein deutlich spürbarer Gerbstoff,
aber typische Halbmilde sind trocken! Deutlich spürbarer
Gerbstoffgehalt führt schon zur Einstufung als kräftig (auch
bei niedrigem Säure- und hohem Restzuckergehalt).
Der typisch resche Most
beginnt dann ab dem Säurewert
von 8%o. In ihm steckt meist das ursprünglichste Mostobst!
Der passende Moment
Milde oder halbmilde Moste
sind federleichte und beliebte Durstlöscher!
Für milde, leichte Speisen (Vorspeisen, Frischkäse, Blattsalate, Geflügel usw.)
sind sie sensible Begleiter, außerdem der beste Einstieg in Sachen Mostgenuss!
Kräftige oder resche Moste gehören zur Hauptspeise
oder zur Jause (wie das Amen zum Gebet). Sie sind der Garant für einen richtig
guten Glühmost und die Würze
für Saucen, Braten und kräftigende Suppen. Kräftige Moste mit spürbarem Gerbstoffgehalt
(leicht herb) sind das Tüpferl auf dem i zu Schnittkäse und Käsesorten mit Rotkultur.
Der resche Most bietet mit seinem höheren Säuregehalt die maximale Erfrischung:
für heiße, schwüle Sommertage ein Jungbrunnen und selbstverständlich als Gspritzter
erlaubt und empfohlen! Der traditionelle (pure) „Mosttippler” schwört auf die
Kräftigen und Reschen!
Stilvoll ist sinnvoll
Most ist bezüglich Gläserwahl und Trinktemperatur mit leichten, fruchtigen Weißweinen
vergleichbar. Er wird gut gekühlt
bei ca. 6-8 °C serviert. Als begleitendes Getränk zu einem gepflegten Essen ist
ein Stielglas empfehlenswert, da es den nötigen Duftraum für die fruchtigen Mostaromen
bietet. Most zur Jause wird traditionell im Krügerl mit Henkel serviert.
Säfte - Genuss flüssigen Obstes!
Ob klar oder naturtrüb getrunken, die
Obstsäfte unserer Bauern sind der pure Fruchtgenuss! Folgende Herstellungsrichtlinien
sind selbstverständlich:
Fruchtsaft: 100 % Fruchtanteil, Zuckerzusatz
bis zu 15 % nur als Ausgleich bei natürlichem Zuckermangel erlaubt.
Naturtrüber Saft: Der gepresste Fruchtsaft
enthält alle Trübstoffe, das heißt, er
wird nicht geklärt. Diese Stoffe sind vor allem Ballaststoffe und auch sekundäre
Pflanzenstoffe. Fruchtnektare: 25 bis 50 %
Fruchtsaft bzw. -mark, Rest Trinkwasser, maximal sind 20 % Zuckerzusatz erlaubt. Fruchtsaftgetränke: Erfrischungsge-tränke
mit Fruchtsaft, Fruchtaromen und Zucker oder Süßstoff, viel Wasser, dürfen Konservierungsstoffe
enthalten. Mindestfruchtanteil 6-30 %, je nach Fruchtart.
Die
Verführer:
Sekt und Cider
Mostsekt und Mostschaumwein sind
inzwischen Flaggschiffe mancher unserer Obstbauern. Seit nunmehr drei Jahrhunderten
wird das Wissen um die gesteuerte Vergärung weitergegeben und verfeinert. Es
muss nicht immer die Weintraube sein: Erleben Sie etwa die Oberösterreichische
Speckbirne in ihrer prickelndsten Form - als Schaumwein! Voll im Trend liegt
der verführerische, fruchtigleichte und sehr bekömmliche Zider.
Er entsteht
durch die Vermählung junger, spritziger Moste mit Fruchtsaft. Er ist zum Ingetränk
gesundheitsbewusster Naturgenießer geworden: prickelnd „frisch heraus”, passt
er halt genau zum „hellen (oö.) Mostköpfchen”! weiter
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