Geschichte, Handwerk u. Kultur 136 ausgewählte Mostschänken Mostschädel-Wörterbuch
home
  Vorwort der Herausgeber
mit „Mostreichhymne“
  Auf den Spuren der Mostschädel
  8000 Jahre Obstbaugeschichte
  Oö. Mostkulturgeschichte
  Alte oö. Mostobstsorten
  Mostmachen damals & heute
  Europas Obstweinkultur
  Anleitung für Feinschmecker
  Epilog der Autoren
 
 
 

Anleitung für bodenständige Feinschmecker
von Dipl. Ing. Heimo Strebl, Konsulent der Landwirtschaftskammer Oö

„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“ lautet die Lebensmaxime der Oberösterreicher. Most und Obstsäfte haben sich zu kulinarischen Allroundern entwickelt und die goldenen Getränke sind längst in die „Haute Cuisine” eingezogen. Möglich macht die Gaumenfreude eine starke Gruppe von Spitzen-produzenten unter unseren Obstbauern, die es verstehen, neben erstklassiger Produktion alle Jahre die Neugierde zu wecken und Genießer zu begeistern mit Kelterkunst in vielfältigen persönlichen Geschmacksnuancen.

Die inneren Werte
Most und Saft haben unzählige wertvolle Inhaltsstoffe. Wer flüssiges Obst genießt, tut auch seiner Gesundheit etwas Gutes. Most und Saft enthalten alle Vitalstoffe der Früchte, aus denen sie entstanden sind, vor allem Vitamine (Vitamin C), Mineralstoffe (Kalium) und Ballaststoffe.

Für verschiedene Geschmäcker
Der milde Most hat wenig Säure (5 bis 6,5 %o) oder viel Restzucker (Säurewerte bis 8%o bei größerem Restzucker als Säurewert). Sein Geheimnis liegt im kaum spürbaren Gerbstoff. Der halbmilde Most hat einen Säuregehalt von 6,5 bis 7,9 %o (Restzuckerwert kleiner oder gleich dem Säurewert). Auch für ihn gilt: kein deutlich spürbarer Gerbstoff, aber typische Halbmilde sind trocken! Deutlich spürbarer Gerbstoffgehalt führt schon zur Einstufung als kräftig (auch bei niedrigem Säure- und hohem Restzuckergehalt). Der typisch resche Most beginnt dann ab dem Säurewert von 8%o. In ihm steckt meist das ursprünglichste Mostobst!

Der passende Moment
Milde oder halbmilde Moste sind federleichte und beliebte Durstlöscher! Für milde, leichte Speisen (Vorspeisen, Frischkäse, Blattsalate, Geflügel usw.) sind sie sensible Begleiter, außerdem der beste Einstieg in Sachen Mostgenuss! Kräftige oder resche Moste gehören zur Hauptspeise oder zur Jause (wie das Amen zum Gebet). Sie sind der Garant für einen richtig guten Glühmost und die Würze für Saucen, Braten und kräftigende Suppen. Kräftige Moste mit spürbarem Gerbstoffgehalt (leicht herb) sind das Tüpferl auf dem i zu Schnittkäse und Käsesorten mit Rotkultur. Der resche Most bietet mit seinem höheren Säuregehalt die maximale Erfrischung: für heiße, schwüle Sommertage ein Jungbrunnen und selbstverständlich als Gspritzter erlaubt und empfohlen! Der traditionelle (pure) „Mosttippler” schwört auf die Kräftigen und Reschen!

Stilvoll ist sinnvoll
Most ist bezüglich Gläserwahl und Trinktemperatur mit leichten, fruchtigen Weißweinen vergleichbar. Er wird gut gekühlt bei ca. 6-8 °C serviert. Als begleitendes Getränk zu einem gepflegten Essen ist ein Stielglas empfehlenswert, da es den nötigen Duftraum für die fruchtigen Mostaromen bietet. Most zur Jause wird traditionell im Krügerl mit Henkel serviert.

Säfte - Genuss flüssigen Obstes!
Ob klar oder naturtrüb getrunken, die Obstsäfte unserer Bauern sind der pure Fruchtgenuss! Folgende Herstellungsrichtlinien sind selbstverständlich: Fruchtsaft: 100 % Fruchtanteil, Zuckerzusatz bis zu 15 % nur als Ausgleich bei natürlichem Zuckermangel erlaubt. Naturtrüber Saft: Der gepresste Fruchtsaft enthält alle Trübstoffe, das heißt, er wird nicht geklärt. Diese Stoffe sind vor allem Ballaststoffe und auch sekundäre Pflanzenstoffe. Fruchtnektare: 25 bis 50 % Fruchtsaft bzw. -mark, Rest Trinkwasser, maximal sind 20 % Zuckerzusatz erlaubt. Fruchtsaftgetränke: Erfrischungsge-tränke mit Fruchtsaft, Fruchtaromen und Zucker oder Süßstoff, viel Wasser, dürfen Konservierungsstoffe enthalten. Mindestfruchtanteil 6-30 %, je nach Fruchtart.

Die Verführer: Sekt und Cider
Mostsekt und Mostschaumwein sind inzwischen Flaggschiffe mancher unserer Obstbauern. Seit nunmehr drei Jahrhunderten wird das Wissen um die gesteuerte Vergärung weitergegeben und verfeinert. Es muss nicht immer die Weintraube sein: Erleben Sie etwa die Oberösterreichische Speckbirne in ihrer prickelndsten Form - als Schaumwein! Voll im Trend liegt der verführerische, fruchtigleichte und sehr bekömmliche Zider.
Er entsteht durch die Vermählung junger, spritziger Moste mit Fruchtsaft. Er ist zum Ingetränk gesundheitsbewusster Naturgenießer geworden: prickelnd „frisch heraus”, passt er halt genau zum „hellen (oö.) Mostköpfchen”!
 weiter

Seite « 1 | 2 »