von Dr.
Siegfried Bernkopf,
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, Linz
Die älteste
Beschreibung der Mostherstellung in Oberösterreich
stammt von Philipp Jakob von Grienthal, Besitzer der Herrschaften
von Achleiten und Kremsegg. In seinem um 1610 veröffentlichten
Haushaltsbüchel schrieb er:
„Öpffl und piern gestoßen, gepreßt und in vässl gossen, jesen
lassen, ist ein guett tranckh für die baurn. Die tröbern von piernen in ein vaß oder
poding gethan, wasser daran gossen, gibt den selben tag ein guett tranckh für
das gesindt. Die bößten piernmöst sein so schön klar werden und sieß bleiben,
auch recent sein zum trinckhen, wie der alte Winterleutthner solches vill jahr
probiert. Von den wilden leibspiern auch von holz- und anderen piernen so spatt
zeittig werden, also von wilden und spatten öpffeln, auch von biengärttlin öpffln
wierdt der böst most, und je spatter der most geprest wierd, je schöner und beständiger
wierdt der selb; der von früen obst taugt nit.“
Daraus kann entnommen werden, dass die Zerkleinerung des Obstes durch Stoßen
erfolgte. Bis zum Beginn des 19. Jh.s und teilweise darüber hinaus verwendete
man steinerne oder hölzerne Grander, in denen das Obst mit Holzstößeln zerkleinert
wurde. Anschließend wurde in hölzernen, aus der älteren Weintechnologie bereits
bekannten Baum- bzw. ein- oder mehrspindeligen Pressen gepresst. Aus dem Text
spricht u. a. auch die Erfahrung, dass spät reifende Sorten, z. B. von der Wilden
Leibspiern (heute eventuell Leutschbirne) und dem Biengärttlin Öpffl (heute vermutlich
entweder Beingartling, Baumgartling, Weingartling), bessere Moste liefern.
Spitzenmosterzeugung
in Oberösterreich
Eine große Entwicklung der Obstzerkleinerung
war das Mostwalzl, ein Mahlstein, der in einem kreis- oder segmentförmigen Granittrog
(der Nursch) händisch oder mittels Pferdekraft bewegt wurde (siehe Bild unten).
Ab ca. 1800 tauchten so genannte Birnmühlen auf (Bild rechts), bei denen das
Obst zwischen zwei Mahlsteinen zerkleinert wurde. Der Antrieb der Mahlsteine
erfolgte in mühevoller händischer Arbeit, viel später erst mittels Motors.
Um 1900 gab es bereits deutlich kleinere Mühlen
mit kleinen Mahlsteinen und oft einer Vorzerkleinerung mittels Reißwolf. Heute
sind meist so genannte Retzmühlen
im Gebrauch, die eine schnelle und feine Zerkleinerung bewirken. Was
die Obstpressen betrifft, so waren hölzerne Pressen, später mit Metallspin-deln
(Bilder rechte Seite), bis zum zweiten Weltkrieg in Gebrauch. Große Betriebe
verwendeten Motorbetriebene hydraulische Pressen schon ab 1920, teilweise schon
als Packpressen. Heute ergeben u. a. Siebbandpressen sehr hohe Saftausbeuten.
Der gewonnene Press-Saft gelangte in alter Zeit mittels Holzzubern über einen
hölzernen Trichter oder später über eine Schlauchleitung in das Holzfass. In
der heutigen Kellertechnologie werden fast nur mehr Plastik- oder Edelstahlfässer
sowie Mostpumpen verwendet.
Die Gärung war früher
ausschließlich eine Spontangärung
mit Wildhefen des Obstes, deren Gärkraft und Kältetoleranz je nach Zusammensetzung
der Hefearten von Jahr zu Jahr variieren konnten. Heute wird meist Edelhefe
dazugegeben, die eine schnelle Durchgärung bewirkt und dadurch Bakterien und
Pilze mit negativen Geschmackseinflüssen an der Vermehrung hindert.
Nach vollendeter Gärung blieb der Most im
Fass. Dieses wurde bis zum Spundloch aufgefüllt, mit einem Holzspund bis zum
Abfüllen verschlossen und im Keller gelagert
(auch einige Jahre). Die Zersetzung der Hefe und des Gelägers konnte zu Geschmacksfehlern
des Mostes führen. Durch den Einsatz von Mostpumpen wurde später das Abziehen
des Gärmostes in ein Lagerfass ermöglicht. Heute erfolgt das Lagern des Mostes
meist in Flaschen, wobei zwecks besserer Haltbarkeit gerne filtriert und geschwefelt
wird.
In den letzten Jahren haben viele Betriebe
verarbeitungs- und kellereitechnologisch einen Standard erreicht, der den Stellen-
und Marktwert des Obstweins enorm steigerte. Zudem ermöglichte die Weingesetznovellierung
1999 u. a. die Aufsäuerung mittels
organischer Säuren. Dies alles hat zur Folge, dass vermehrt auch aus säurearmem
und gerbstoffreichem Obst harmonisch schmeckende Moste enstehen. Einige alte
Mostobstsorten, die oberhalb des Säureoptimums (5-9 g titrierbare Säure/Liter
Press-Saft) liegen, werden mit säureärmeren Sorten gemischt: Mischlinge ganz
besonderer Art! Die Zuckerwerte unserer Mostobstsorten
liegen zwischen 45 und 63° Öchsle (9°-12,6°°°Klosterneuburger Mostwaage), was
Alkoholwerte von 5-8 Vol.-% in den Mosten erwarten lässt. Zwischen Bier und Wein
sind unsere Moste die perfekte Alternative, der „lachende Dritte”!
Spitzenmosterzeugung
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