Geschichte, Handwerk u. Kultur 136 ausgewählte Mostschänken Mostschädel-Wörterbuch
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mit „Mostreichhymne“
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von Dr. Roland Girtler,
gebürtiger Spitaler, Autor und Professor an der Universität Wien

Als jemand, der in einer Region aufwuchs, in der man seit jeher Most trinkt, und der in Wien selbst einige Male als Mostschädel bezeichnet wurde, gestatte ich mir ein paar Gedanken zum Most und zu den Mostschädeln.
Vor Kurzem sagte bei einer Wanderung von Kremsmünster nach Adlwang zu mir eine freundliche Frau, Elfriede Staudinger ist ihr Name, sie könne sehr grantig werden, wenn ihr Mann zum Nachtmahl nicht einen Krug mit Most bringe. Zu ihrer guten Laune braucht die Dame also ihren Most - eine Huldigung, die den Kulturwissenschafter aufhorchen lässt. Daher sei die gewitzte Dame hier erwähnt als eine wahre Vertreterin der Spezies „Mostschädel“.
Das Wort Most selbst geht auf die Römer zurück und leitet sich von dem lateinischen Wort „mustus“ ab, das so viel heißt wie „frisch“ oder „neu“. Lateinischen Ursprungs sind übrigens auch so wichtige Wörter für die Bauern wie Kompost (compositum), Zwiebel (caepula), Kohl (caulis), Rettich (radix) und Birne (pirum).

Wer die Oberösterreicher zuerst samt und sonders als Mostschädeln bezeichnet hat, wird wohl nicht leicht zu klären sein. Offensichtlich dürften vornehmlich Wiener von den Most trinkenden Oberösterreichern derart fasziniert gewesen sein, dass sie auf diesen Titel gekommen sind. „Mostschädel“ kann so oder so gemeint sein, wird jedoch zum Ehrentitel, wenn jemand für seine Verdienste - wie mir geschah - als „prächtiges Beispiel eines Mostschädels“ tituliert wird.

Einen zeitlichen Hinweis auf das Auftauchen der Bezeichnung „Mostschädel“ fand ich in einem Buch über den Krieg zwischen Deutschem Bund und Dänemark anno 1864. Österreich - damals präsidierende Macht des Deutschen Bundes - kämpfte gemeinsam mit Preußen um Schleswig-Holstein gegen Dänemark. In diesem Buch heißt es, dass oberösterreichische Kavalleristen sich tapfer geschlagen hätten und dabei bezeichnete man sie als „unsere braven Mostschädeln”, Oberösterreichs Mostschädeln genossen also höchstes Ansehen!  weiter

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